Pohlmann - König der Straßen

So, meine Damen und Herren,

06.12.2006

 

Ich sitze gerade hier im Tourbus und habe die Hälfte der Tour hinter mir. Vor einer Tour gibt es lange nervöse Träume darüber, ob auch alles klappt. Die, die mich schon live gesehen haben, kennen die Sache ja – diesmal aber wollten wir mit richtigem Schlagzeug und Bass losziehen. Ich war skeptisch, ob das „Intime“, das wir uns den Sommer über während der Konzerte erspielt hatten, erhalten bleiben würde ... Aufgrund der Zeitplanung meiner Mitmusiker hatten wir nur 2 ½ Tage (von morgens 10.00 bis nachts um 24:00) Zeit zu proben. Und mit Percussion, einem 2. Cello, Klavier, Schlagzeug und Bass ist das eben etwas aufwendiger und komplizierter zu arrangieren.

Nach den Proben, die am Mittwoch Mittag endeten, hatte ich abends noch den „Rocker vom Hocker“ in der Bernsteinbar und das Spektakel ging feucht-fröhlich bis morgens um 4 mit volle Kanne singen und trinken. Eine herrliche Nacht mit einer Menge sehr geiler Songwriter/innen und Sänger/innen, die sich die Klampfe in die Hand drückten. Am nächsten Morgen war ich (2 Tage vor Tourbeginn) komplett heiser ... Nerven behalten .... Am drauffolgenden Morgen war die Stimme immer noch weg. „Zurück zu dir“ oder „Tut mir leid“ wären unsingbar gewesen. Johannis von Revolverheld hatte mir mal einen HNO-Arzt in Hamburg empfohlen. Also: „Dr. Brunkhorst, kannst du mir helfen ?“ Er untersuchte meine Stimmbänder, indem er meine Zunge mit einem Tuch in die hand nahm & rauszog, um dann mit einer Kamera besser in den hinteren Rachenbereich zu kommen. Ich dachte nur, „wenn der noch tiefer rein geht, muss ich kotzen“ .. „Mach mal „hiiiiiiiiii“, mach mal „ahhhhhhh“ ... „Gut, also deine Stimmbänder sind im Großen und Ganzen in Ordnung, keine Zysten keine Knoten. Sie sind lediglich völlig überansprucht.“ Er gab mir verschiedene Mittelchen aus seinem Schrank und ich machte mich auf den Weg nach Berlin.

In Berlin hatten wir den ersten Gig. Ich fand meine Stimme immer noch nicht ganz in Ordnung, aber ich bin eben wie viele Sänger ein „Psycho“. Solange man nicht bis zum Hals im Wasser steht, ist man überzeugt, nicht schwimmen zu können. An dem Tag traf ich dann das erste Mal den Finkenhauer. Er hatte sich angeboten, mit auf Tour zu kommen und als ich seine CD hörte, fand ich’s super. Ich kannte ihn noch von der Single „Tage wie dieser“ mit Fettes Brot. Es stellte sich heraus, dass alles sehr gut zusammen passte. Finkenauer hat so einen eindringlichen, erzählerischen Stil und ist so eine Mischung aus „Beats meats Songwriter“. Echt interessant.

So, und dann kam der große Moment. Das ist es eben beim Musiker Dasein: immer diese zum zerreißen gespannten Momente voller Herzklopfen, Schwindelanfälle und zittrigen Händen. Ein lethargisches, irres In-die-Ecke-Starren ... Unsicherheit. Alle Songs werden fünf Minuten vor dem Konzert zu einer Meute von Wölfen, die dich durch die Nacht jagen. Der Soundcheck war schon nicht so wirklich gut, „aber warte erstmal bis Leute drin sind – das klingt dann gedämpfter“, sagt man hoffnungsvoll.

Wir gehen auf die Bühne. Das Klatschen der Leute beruhigt, aber du fragst dich noch, wie es werden wird. Solange, bis sich der erste Song über uns ergießt und Hagen durch das Cello den Honig in langen Fäden in der heißen Milch auflöst. Dann fällt alle Bedrohlichkeit von den Schultern und du hast Wölfe an den Zügeln, die dich durch die Nacht ziehen. Das erste Pohlmann Konzert hat begonnen, die erste eigene Tour. In meinem Kopf schaltet jemand auf „rec“. Das ist jetzt fünf Tage her und hat sich seitdem nicht geändert.

Wisst ihr noch, wie neidisch ich auf meine Boss Hoss Kumpels war ? Jetzt bin ich mit so einem geilen Haufen unterwegs und ich komm vor Lachen nicht in den Schlaf, so viel Spaß macht das. Die, die ihr beim Konzert dabei wart, habt es gesehen. Und war für ein seltsamer Haufen das ist. Da ist Reiner, der Punker, der meine CD eingetrommelt hat und sich durch die Songs fühlt wie eine Katze und Hagen, der Klassiker, der Bach liebt und der der Musik die Erhabenheit gibt. Christian Neander, der der Sache genau den Anschlag an Rock und Blues gibt, wie ich es liebe und dann diese Neuenddeckung, der heimliche Tourheld, Christian Kretschmer, der das 2. Cello, Percussion und Bass spielt. Geiler Typ. Also, kurz um, wir sind alle ganz verknallt ineinander und haben den Spaß unseres Lebens.

Nach dem unglaublichen Auftritt in Berlin kam Bremen; da waren wir im Modernes. Ein traumschöner Laden. Sollte ich mal aus irgendwelchen gründen ein Spezialkonzert geben, dann da und im Sommer. Montag waren wir dann in Bochum im Riff, meine Mutter war da und hat mit geschlossenen Augen mitgesungen. Leute, das geht rein. Nächster Tag: Köln – und wir merkten, dass wir immer weiter wachsen. Köln war gruselig gut, ein singender Prime Club. Danke dafür. So, jetzt hab ich aber genug angegeben. Kommt einfach vorbei und seht selbst. Ich freu mich jetzt schon auf Hamburg, auf ein ausverkauftes Grünspan und 800 Leute. Yeaaaaaaahh !!! Unglaublich.

Nach der Tour nehmen wir in Neander’s Studio „Mädchen und Rabauken“ auf – den Song den ich für Nordrhein-Westfalen im Februar bei Raab’s BundesvisionSongContest verteidigen werde. Da müsst ihr mir alle beistehen ;-)

Und wenn es noch weitere spezielle Anekdoten gibt, schreib ich wieder. Bis jetzt läuft alles so unglaublich rund, es ist die pure Freude. Danke, bis dann, Pohlmann.

 

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