Hi,
12.12.2006
ich sitze gerade im Zug von Bochum nach Hamburg. Gestern war ich bei der Einslive Krone. Vielleicht hat es der eine oder andere von euch gesehen: Revolverheld haben es in „meiner“ Kategorie gemacht. Herzlichen Glückwunsch dazu von meiner Seite !!
Morgens im Hotel traf ich ihren Bassisten Flo und ich sagte: „Na, heute werden sie euch wohl krönen. Ich war schon bei „Burger King“ damit ich nicht ganz leer ausgehe.“ (In dem Schuppen gibt es doch immer diese schlechten Pappkronen, mit denen die Touris auf der Reeperbahn ihre Junggesellenabschiede feiern.) Er winkte ab und sagte „LaFee“ würde so oder so das Rennen machen. Ich stimmte zu, denn die hat wohl einen ziemlich grossen Fankreis ... Naja, wie auch immer. Ich muss sagen, ich hätte es traurig gefunden, wenn sie gewonnen hätte. Aber jetzt möchte ich an dieser Stelle mal allen danken, dass ihr so kräftig für mich gevotet habt. Denn wir müssen uns nichts vormachen: Mein Sommersong lief ganz gut, aber Revolverheld hatten eben 2 Singles mehr die Land auf und Land ab gespielt wurden. Jedoch anhand des Balkens war klar, dass ich im oberen Drittel gut mithalten konnte. Und daran konnte ich ersehen, dass ihr echt rein gehauen habt. MUCHAS GRACIAS DAFÜR !!!!!!
Mit dem Shuttle ging es nach dem Einchecken zur Veranstaltung. Der Shuttle war so ein dicke Hose BMW mit einem Typ am Steuer, der Schultern hatte, die so breit waren, dass man an ihnen jemanden hätte kreuzigen können. Der musste sogar den Kopf während des Fahrens einziehen. Vor uns fuhr Henning (ähnlich gebaut ;-) mit seiner H-Blockx Bande. Als wir vorfuhren und ich ausstieg platzen mir fast die Ohren: Mädels, Mädels, was macht ihr bloß mit euren Nerven?! Ich war mir ziemlich sicher, dass mich kaum jemand wirklich erkannt hatte, aber die schrieen trotzdem weiter. Die schrieen scheißegal wer da ausstieg. „Ja“ dachte ich mir lachend. „Lasst es raus!“ (was auch immer da raus will). Gut, bei einem Ben Harper Konzert bin ich auch euphorisch und ich muss weinen wenn er „Sometimes you have to go away“ singt. Aber dieses Szenario war doch sehr befremdend. Zumal, wie ich schon sagte, die gar nicht wussten wer da vor ihnen steht. Ich habe vielleicht ein Mädchen „Pohlmann“ rufen hören und genau dieses schien ziemlich gefasst :-) Ich habe dieses Szenario etwas in Eile gefilmt. Es gibt einen Unterschied zwischen Freude, die von Herzen kommt, und blinder Hysterie.
Nach der Verleihung ging es dann zur Aftershow Party und da ich an dem Abend nur beim Bier bleiben wollte, um nicht abzustürzen, wurde ich auch recht schnell müde. Ohhhhhhhhhhhhh ja! Euer ehrenwerter Schreiber ist ja eigentlich bekannt dafür, keine gute Party auszulassen. Wenn man zwischen Udo Lindenberg, Fettes Brot und Jan Delay steht und die Chance hat, mal jemanden kennen zu lernen; wenn man mal wieder mit Sasha oder den Silbermonds anstoßen könnte, was einen riesen Spaß macht, oder mit Henning Wehland und Janni, der manche Songs meiner Scheibe produziert hat, über diese spannende Zeit zu lachen und nachzudenken, dann ist es eigentlich Quatsch seine Sachen zu packen und zu gehen. Aber ich hatte den ganzen Abend nur eines im Kopf: Mein nächstes Konzert in Hamburg im ausverkauften Grünspan. Ich wollte fit sein und solange ich nur Bier trinke, hab ich alles unter Kontrolle. Bei mir geht das mit Sekt auf Eis oder „Cuba Libre“ immer nach vorne. Daher gab ich meinen Begleitern (...Danke Babsi - gut aufgepasst...) den Hinweis, mich unter allen Umständen von dem Zeug fern zu halten.
Über Kokser auf den Toiletten muss ich immer lachen. Das werden schnell die armseligsten Kreaturen. Oft ist es so, dass man bei den vielen Leuten und der BummBummMucke, die leider immer noch zu häufig aufgelegt wird, mal kurz Ruhe tanken will. Und dann gehst du aufs Klo - ob du musst, oder nicht. So manche kennen das ja. Auf vielen Partys hast du auf der Toilette die witzigsten Begegnungen gehabt. Und dann steht man schon unter Verdacht bei dem Quatsch mitzumachen. Bei so einem Event ist es manchmal schwierig sich vernünftig zu unterhalten. Ich möchte für niemanden anders sprechen, aber letztlich hab ich immer das Gefühl: Man steht da, redet kurz über „Wer ist da, wer nicht? Wer hat’s verdient, wer nicht? Wer ist schon betrunken, wer nicht? Wo schläfst du, wo schlaf ich?“ ... Zwischendurch mal geschäftliche Theorien mit der Plattenfirma. Und wenn es auf einmal interessant wird, klopft der Nächste auf die Schulter und schreit „Yeah, Digger! Du auch da!“ Was natürlich kein Ding ist - macht man ja selbst auch. Man muss nur eben die ganze Zeit schnell wechseln können und da hilft es ungemein wenn man die Dinge nicht allzu ernst nimmt. Dann wirst du verschiedenen Leuten vorgestellt. Ist auch alles gut so, aber wenn du nicht richtig in Stimmung bist, dann steht man komisch grinsend nach dem Händeschlag einfach wortlos voreinander. Also so eine Party kann echt geil sein, aber ich fühlte mich nicht wirklich danach. Ich geb’s auch gerne zu: Ich habe im Voraus zu mindestens 95 % darauf gewettet, dass ich nicht gewinne. Aber wie ich es auch anstellte: es gab nicht wirklich etwas zu feiern, denn es gab dennoch einen Funken Hoffnung und der piekst auch ;) ... für den Moment. Ihr wisst was ich meine: Wenn ich wirklich Lust habe, meine derzeitigen Erfolge zu feiern, dann schnapp ich mir meine Leute und der Rest eines Tages fließt Rot ins Glas bis zum Morgengrauen.
Also ich bin um 1: 00 ins Shuttle und ab ins Hotel. Noch ein wenig Glotze gucken. Aber als ich im Bett lag, galt mein letzter Gedanke wieder meinem Konzert am nächsten Tag im Grünspan. Wisst ihr, wenn alles wegbrechen sollte, wenn das Fernsehen, die Radios oder die Zeitungen mich ignorieren sollten (Beispiel The Boss Hoss: 3 Videos und keines angenommen. Kein Radio Hit, aber 3000-4000 Menschen auf den Konzerten) dann weiß ich: Ich habe meine Leute, die mit mir durch dick und dünn gehen und eine Band die, wie bald alle wissen werden, ihres Gleichen sucht.
Und ich habe Fans. Und was für welche !!!! Ich lerne euch ja jetzt erst kennen. Vorher war ich doch nur auf Radioevents und Festivals; hier und da mal eine privatere Veranstaltung wie bei Delta Radio. Da hatte ich schon Gelegenheit einen kleinen Eindruck zu bekommen, aber jetzt sehe ich wirklich, wer zu meinen eigenen Konzerten kommt, Wege auf sich nimmt, Termine freihält, Eintritt zahlt und abends vor uns steht. Das sind Menschen und, wie ich es mir erhofft hatte, von 14 bis 64 Jahren. Eine Zielgruppe gibt es nicht wirklich. Das bedeutet, dass ich weiterhin unter freiesten Bedingungen Musik machen kann, weil ich weiß, dass ihr es zu schätzen wisst. Thank Youuuuuuuuuuuu.
Bis auf bald, euer Pohlmann.
