Die kleine Tour
06.04.2007
Es ist mal wieder etwas Zeit ins Land gezogen und Einiges ist passiert. Gerade hock ich mal wieder an meinem Fenster vorm Balkon, während unter mir zahllose Autos auf der Straße vorbeirauschen. In jedem ein Mensch mit Zielen Träumen und Wünschen. Ich komm manchmal richtig in einen Rausch, wenn ich sehe wie viele es von uns gibt. Auf Tour passiert mir es immer wieder, dass wir in einer neuen Stadt, an irgendeiner anderen Ampel halten und es stehen da Leute und warten auf Grün. Überall stehen sie und warten .Da bekommt man ein seltsames Gefühl manchmal. Kann gar nicht genau beschreiben wie das ist. Ist halt alles rätselhaft. Was solls, stell ich mich halt auch dazu und warte auch : )
Also, wo ich gerade von der Tour spreche. Ich bin ja eigentlich gerade im Studio und nehme meine 2te CD auf. Ich will dazu nicht viel verraten, aber es wird sauschön. Es kommen Songs drauf die heißen: Lasst uns Flüchten, Bruce Lee, Folgen sie dem Licht, Verhaltensforscher oder Teufel... und vieles mehr. Aber wir hatten uns damals während der Planung für die CD entschieden noch ne kleine Tour zu machen, um Abstand zum aufgenommenen Material zu bekommen und natürlich weil die letzte Tour so saumäßig Bock gemacht hat. Auch diese war wieder ein Traum. Zu Beginn musste ich ja allein vor dem Brandenburger Tor vor ca. 95.000 Leuten spielen. Das war der Tag der Europäer und die hatten mich da eingeladen.
Das kam mir schon etwas seltsam da mit vor so vielen Leuten mit der Moderatorin über Europa zu sprechen. Aber da meine Vorredner bereits das Gleiche erzählten was ich mir dazu gedacht hatte, machte ich es so kurz wie möglich. Wie auch immer, es wird schwierig sein alle europäischen Kulturen unter ein Gesetzesnetz zu spannen ohne dem einen oder anderen Unrecht zu tun, aber der Weg dahin sollte versucht werden und als Beispiel für Frieden.... usw.
Abends war ich dann auf dem Echo eingeladen. Mir ging es im Großen und Ganzen wie bei der 1 Live aftershow. Ich bekam irgendwie nicht den Draht, obwohl ich versuchte ihn mit einigen Bieren unter Spannung zu halten. Hatte ein langes und gutes Gespräch mit dem Oompf Sänger und bin dann gegen halb 2 ins Bett. Ich konnte es auch wieder mal nicht erwarten meine Band zu treffen, da wir ja am nächsten Tag unseren ersten Gig seit langem wieder zusammen hatten, zumindest unter Pohlmann Tourverhältnissen. So am nächsten Tag ging es wieder los. Die ersten 2 Gigs haben mich überrascht. Wir haben gut gespielt es hat Spaß gemacht, aber es fehlte was. Die Leute waren begeistert und es wurde zum Schluss auch wieder warm und sehr herzlich, aber irgendwas fehlte mir. Ich dachte lange nach. Und kam zu dem Gedanken „ Zurück zu von selbst „ . Die erste Tour war für uns alle eine Überraschung. Die Darstellung der Musik hat live das Album noch übertroffen wie ich finde. Dieses erste Empfinden hatte sich von selbst getragen. Ich bin kein richtig guter Gitarrist, aber das ist nicht nötig, wenn du die Sachen fühlst und dich reinlegst. Die Leute, die da waren wissen was ich meine. Und plötzlich achte ich auf Takt und Groove und wenn sich der Kopf einschaltet und mitreden will, ist das ein Gefühlskiller. Alles war da, die Musik, die Band, die Begeisterung, aber nicht die Gänsehaut. Der Kopf brannte und mir sind 3 mal die Textstellen abhanden gekommen. Ich wusste einfach den Text nicht mehr. An dieser Stelle: Danke an die Rostocker für s Auffangen : ) Ben Harper meint auf seiner letzten CD: the more i think the less i feel. Genau das war das Problem. Um zu der Musik zu gelangen musst du die Welt vergessen. Für die Texte jedoch Ausschau halten interpretieren und analysieren. Mann muss ein Loriot sein und zu gleich ein blöder Hund. Schwierig! In Osnabrück waren alle meine Leute aus der Heimat: Mam Papa Schwester und der Fussballgott Daniel.
Ein super Konzert, aber mir fehlte es wieder, dieses ganz Bestimmte. Kennt ihr noch den Trickfilm „das letzte Einhorn“? Da sagt der Zauberer Schmendrick „ Zauber tu was du willst!“ und dann passieren immer die richtigen Dinge. Leicht gesagt. Also, es kommt von selbst zurück nur nicht verkrampfen und die Erwartungen schüren. Augen zu . . .
In Bielefeld war es wieder da! Die ganze Band spürte es. Das sind nur kleine Unterschiede, die für uns auf der Bühne viel ausmachen. Ich glaube für den Hörer nicht wirklich zu bemerken. Es sei denn, der Trottel da oben versingt sich ständig. Ich glaube das wird immer mal wieder vorkommen. Dann müssen wir wieder zurück zu von selbst.......
Das Abschlusskonzert in Flensburg war mit 780 Leuten ausverkauft und die Luft brannte. Die Gitarre schrie es raus, das Cello goss es hinein, das Schlagzeug trieb es zusammen, der Bass trieb es voran das Klavier machte es groß und ich konnte es lassen wie es ist. Gott war das ein Spaß.
Euer Ingo
