Pohlmann - König der Straßen

VORWORT + TAG 1

26.11.2008

 

Hallo!

Guten Tag - da bin ich wieder. Die folgenden Blogs möchte ich dem Thema Madagaskar widmen und den Eindrücken, die ich durch diese Reise gewonnen habe.

Ich bin ja, wie vor einer Weile angekündigt, nach Madagaskar geflogen. Ich wiederhole mich einmal für die, die nicht wissen worum es geht.
Benni, Gründer von Viva con Agua, sprach mich damals an. Er fragte, ob ich Interesse daran hätte mir mal die Projekte, welche in Zusammenarbeit von Viva con Agua und der Welthungerhilfe auf die Beine gestellt werden, anzuschauen.
Viva con Agua kümmert sich zum Beispiel um den Bau von Brunnen, die Welthungerhilfe unter vielen anderen Tätigkeiten z.B. um das korrekte Anbauen von Saatgut, sprich Mais und Reis oder dem Aufbau von Schulen.

Was wissen wir über Madagaskar? Es gibt doch viele Menschen, denen dieser Landstrich Afrikas nicht so bekannt ist. Wir kennen den Film, hin und wieder haben wir die Pest an Bord, wenn wir aus der Kneipe schwanken und einige wissen vielleicht noch, dass man für Afrika bei " Risiko " 3 Armeen mehr bekommt pro Runde und, da Afrika von der Seite Madagaskars aus keine engere Verbindung zum Festland anderer Kontinente aufweist, ist man von dort aus, was das Spiel angeht, unangreifbar.
So kannte ich Madagaskar.

Wer weiß, ob ich jetzt mehr weiß über dieses Land. Aber mir wird klarer was über die Welt an sich schon seit längerer Zeit klar wird: sie pfeift aus dem letzten Loch.

Madagaskar, gelegen im Indischen Ozean, hat sich durch die Verschiebung der Erdplatten vor ca. 150 Millionen Jahren vom afrikanischen Kontinent getrennt. Dieser so genannte Mikrokontinent entwickelte auf diese Weise eine einzigartige Natur und Tierwelt, die nur auf Madagaskar zu finden ist bzw. war muss man schon fast sagen. Es gibt nur noch ca. 3 % des einstigen Urwaldes. 3 Prozent!

Ich habe manchmal das Gefühl, das der Mensch sich mit der Zerstörung seiner Welt insgeheim schon längst abgefunden hat.

Der Urwald, der seit Millionen von Jahren auf seine eigene Weise der Evolution als Versuchslabor diente und damit einen tiefen Einblick in die Entstehungsgeschichte unserer Welt gewähren konnte, ist unwiederbringlich zerstört.
Viele Vergleichsmöglichkeiten mit der Lebensentwicklung außerhalb Madagaskars sind dahin.
Wir können hier nicht mehr nur von Arlamstufe rot reden.

Ursachen sind wie überall in Afrika ähnlich:
Ausbeutung der Natur für den wirtschaftlichen Export dieser Ressourcen in fremde Länder, Brandrodung für Acker und Weideland, Armut und ganz besonders die fehlenden Bildungsmöglichkeiten führen zu Unverständnis in der Bevölkerung für das Problem.
Zudem kommt noch, dass es kaum Verhütung gibt und so immer mehr Menschen in Dreck und Armut hineingeboren werden. Und so frisst sich die Spirale der Verelendung weiter nach unten.

Den Möglichkeiten Bewusstsein zu schaffen, um diesen Menschen zu helfen, um die Zerstörung unserer Umwelt abzuwehren, sind einige Steine in den Weg gelegt.
Den Menschen denen es nicht weh tut, ich meine richtig weh tut so wie uns, die unternehmen im Großen und Ganzen zu wenig und bleiben in ihren gewohnten Strukturen stecken.
Die Menschen, die nichts haben und darunter leiden, können sich nicht darum scheren, denn sie kämpfen tagtäglich ums nackte Überleben.
Wer würde nicht dafür kämpfen?
Als ich mir nach dem der Reise ein Satelitenfoto anschaute sprach es für sich.

Und trotz dieser enormen Flächen, die da geschaffen wurden, schafft es das Land nicht sich zu ernähren.

Mir würde es schwer fallen alle Ursachen dafür zu erklären, weil ich vieles vielleicht auch noch nicht verstehe als das ich all zu tief in die Problematiken der Politik dieser Welt eingehen könnte. Obwohl da unsere ganze Aufmerksamkeit liegen sollte. Denn die eigentlichen Impulse zur Verbesserung und Rettung unseres Lebensraumes müssen von da ausgehen und können nur etwas bewirken, wenn sie durch Gesetze unterstützt werden. Und diese Gesetze müssen durch das Geflecht von innen- und außenpolitischen Verstrickungen von Städten, Ländern, Staaten und Kontinenten.

Es ist ja nicht so, dass uns das Elend dieser Erde völlig kalt lässt.
Wir schauen uns vom Fernsehen aus das Theater um die Welt an, sind erschrocken, doch bevor die Angst noch tiefer in die Knochen fährt, um den Denkapparat mühsam in Bewegung zu setzen, um vielleicht eine Veränderung vorzunehmen, zappt man weiter und schon hat man auf dem nächsten Kanal seine Lieblings-Liebes-Brimborium Soap oder es weint wieder einer, weil er ein Superstar wird oder wandert aus XL.
Diese sinnlosen Tränen persönlicher Glückseeligkeiten oder Schicksale, die Millonen unterhalten, schalten im Oberstübchen das Licht aus.
Ich meine, die Einschaltquoten belegen was den durchschnittlichen z.B. Deutschen wirklich interessiert.

Ein Lied, das mir zu dem Thema immer wieder einfällt ist von Tom Waits "Well the World died screaming while I lay dreaming of you." (Hier geht's zum Song!)
Was eben nichts anderes bedeutet als das uns unsere pesönlichen Liebelein und Träumchen, auf welche mittlerweile ein ganzes wirtschaftliches System aufbaut, wichtiger sind als für unser Fortkommen auf diesem Planeten zu sorgen. Ist doch wirklich seltsam.

80 % der Weltbevölkerung stürzen mehr und mehr ins Mittelalter und werden dazu genutzt Raubbau zu betreiben für die anderen 20 %, die von einigen wenigen Strippenziehern zu hirnlosen Dummbatzen herangezüchtet werden um bizarren Träumen hinter her zu konsumieren. eben wir!

Ich könnte der Meinung sein, ich hätte nicht mehr viel übrig für den Menschen, folglich auch nicht mehr für mich, da mein Verhalten auch durch diese Gesellschaftsform geprägt ist. Oftmals denke ich tatsächlich sehr deprimierend darüber nach. Das tun ja schon lange viele Menschen und es werden immer mehr.

Aber Pessimismus ist auch ein Versteck für die Faulheit, in die man sich zurückzieht, um so weiter zu machen wie bisher.

Nach dem Motto, wenn eh nichts zu retten ist, was soll's?! Lehnen wir uns zurück und nehmen's mit Humor.

Aber so theatralisch es auch klingen mag: Ich liebe mein Leben.
Warum auch immer. Und das muss ich jedem anderen natürlich auch zugestehen.

Doch wir hier leben fest verankert in einem System, was die eigentlichen Gründe für seine Existenz vernichtet.

Ich kann hier sicher nichts neues schreiben, etwa das Kundige unter euch nicht schon oft gelesen, gehört oder selbst herausgefunden hätten.

Der Grund, warum ich mitgefahren bin war nicht der, die neusten Einsichten über die Zerstörung unserer Erde zu vermitteln, sondern zunächst meinen eigenen Motor anzuwerfen. Um meine Sicht der Dinge zu finden und ich kann keine Rücksicht darauf nehmen, ob diese Ansicht schon Schlauere vor mir hatten.

Wenn Pioniergeist der einzige Ansporn wäre ,wäre ich spät dran.

Wir haben alle einen starken Überlebenstrieb. Das ist wohl das hartnäckigste was der Mensch an Trieben zu bieten hat.

Aber wenn ich mich den Eindrücken, welche die Realität zu bieten hat, nicht stelle, wird es keine persönlichen Erfahrungen geben. Und ohne Erfahrungen kein Ansporn.
Es fehlt an Betriebstemperatur, um schnell zu handeln. Wir sind nicht am Ball.
Ich suche danach mich aufzurütteln und aus einer gewissen Lethargie zu holen. Ich habe aus dieser Reise auch nicht das große Mitleid gewonnen mit dem ich gerechnet hatte. Nur mehr Angst um das Bestehen einer Welt, in der wir leben können.

Manche Menschen spenden oder wirken aus Mitleid heraus und manche aus persönlicher Angst.
Aber egal welche Gründe man hat etwas zu tun, man muss diese Gründe finden. Sonst werden wir vielleicht beleidigt scheitern und sagen "Ich habe doch immer das Licht ausgeschaltet".

Wir Menschen müssen ein Meisterwerk der evolutionären Geschichte an sich vollbringen.
Eigentlich gleicht es der MünchhausenGeschichte: er fiel ins Moor und zog sich an seinen eigenen Haaren wieder heraus.

In dieser Lügengeschichte steckt viel wahres:
Der Mensch lernt im besten Falle aus seinen Erfahrungen.
Die Atombombe wurde erfunden und kam zum Einsatz - was schrecklich war. Aus psychologischer Sicht, wenn ich das mal so interpretieren darf, scheint es manchmal so, als hätte es so kommen müssen. Nachdem klar war, mit was für einem üblen Ding wir es da zu tun hatten, wurden sogar noch stärkere, mehr als 100fach stärkere Atombomben gebaut als die, die über Hiroshima oder Nagasaki zündeten. Es kam nicht zum Atomkrieg.
Man kann lange diskutieren, wie nahe wir dran waren oder dass das ja noch passieren kann.

Die Natur hat über die Millionen Jahre hinweg Dinge entwickelt und wieder verworfen - in unzähligen Billionen um Billionen kleinen Schritten von Versuchsreihen führte ein ständiges Anpassen an die Umgebung zu immer neuen Formen des Daseins. Und wenn etwas schief lief, war nicht gleich das Ganze betroffen.

Die Natur lernt weise aus ihren Fehlern, denn sie gibt sich Zeit dazu.

Wir müssen das Meistersück leisten, etwas zu tun, noch bevor es uns zu weh tut; zu wichtigen Einsichten gelangen, die etwas bewegen.
Wir haben nicht mehr die Zeit aus Fehlern zu lernen. Die Veränderungen, die wir durch unsere Erfindungen vornehmen, waren immer groß und führten in kürzester Zeit zu Ergebnissen mit weitreichendem Ausmaße.
Wir sind nicht so klug wie die Natur. Weil unser Wirtschaftssystem viele Politische Entscheidungen beeinflusst.

Aber wenn wir in der Lage sind große Veränderungen vorzunehmen, bedeutet das auch, dass wir in der Lage sind große Schritte in die richtige Richtung zu gehen. Diese Schritte sind jetzt von Nöten.

Ich kann vielleicht jedem raten sich zu informieren wo man etwas tun kann.
Das Geflecht an Hilfsmöglichkeiten zur Veränderungen ist so dicht wie die Probleme, die entstanden sind und kann erschlagend wirken. Da muss jeder seinen Weg durch finden .
Bei Greenpaece oder www.utopia.de gibt es viel zu erfahren. Man kann Firmen unterstützen, die sich um Nachhaltigkeit bemühen oder Firmen finden, denen man nicht auf den Leim gehen darf, weil sie sich einen Grünen Anstrich verpassen.

Ich habe während meines Aufenthalts jeden Tag in ein Tagebuch geschrieben. Wir haben viel gefilmt und fotografiert, was ich so nach und nach den Berichten online hinzugebe.

Tag 1

Der Abflug aus Hamburg nach Paris verlief reibungslos.

Eine halbe Stunde vor Abflug musste Bennys große Kamera in den Sprengstofftest. Sie musste mit einem sogenannten Sprengstoffspray besprüht werden.

Ich habe mal bei Quarks gesehen, dass Forscher an Geräten zur Sprengstofferkennung arbeiten, die mit Bienen ausgestattet sind.
Bienen werden unter geruchsneutralen Verhältnissen aufgezogen und bekommen immer nur dann Honig, wenn sie z.B. TNT riechen. Bienen können sich über 1000 verscheidene Gerüche merken und selbst Mikropartikel davon in der Luft wahrnehmen - daher werden diese speziellen Bienen in einen Apparat gesteckt wie Kugeln in einen Revolver.
Ein Messgerät wertet dann die Bewegungen der Bienenzungen aus, die herausschnellen sobald die Bienen diesen oder jenen Sprengstoff wahrnehmen.

Der Zollbeamte, der mit der Kamera von Benny zurückkam und sie für unbedenklich hielt, hörte mir ungläubig zu als ich ihm diese Geschichte erzählte. "Echt? Mit Bienen drin?" "Ja klar," meinte ich. "Die stecken die Bienen da rein und wenn die sich das Mäulchen lecken, solltet ihr eure Knarren griffbereit haben."
"Ihr rennt dann hier rum wie die Imker" wollt ich noch sagen .... hab ich aber nicht. Die besten Sprüche fallen einem immer nachher ein. Außerdem war ich nach der Geschichte froh, dass sie mich nicht zu einem Drogentest gezwungen haben.

Kurze Zeit später saß ich mit Benny im Flieger nach Paris - von dort sollte es dann 11 Stunden weiter nach Madagaskar gehen.
Da es keine Bildschirme gab, war das Bordpersonal gezwungen diese herrlich choreografischen Tänzchen aufzuführen, in denen es darum geht, was passiert wenn's schief geht. So graziös bekomme ich das sicher nicht hin, wenn das Ding abschmiert.
Danach bekamen die aus der 1. Klasse noch jeder ein feuchtwarmes FrottierErfrischungstüchlein, wofür sie auf diesem Flug wohl 500 Euro mehr drauflegten. Dafür ist man unter sich in der BuissnesClass. Normalerweise wird, um dieses etwas peinliche Szenario unter Verschluss zu halten, ein Vorhang zugezogen, der die Bettler von den Millionären trennt.

Benny und ich waren waren bester Laune und erinnerten uns daran, wie wir uns kennengelehrnt hatten.
Ich erinnerte mich an diesen Imbissitaliener, in dem er mich ansprach und er aber an ein anderes Ereignis, das ich vergessen hatte.

Er meint, er hätte mal im Bedfordcafé, meiner Stammkneipe, ein Treffen mit Geschäftspatnern gehabt und ich sei reingekommen, hätte Bier bestellt, meine Gitarre rausgeholt und begonnen erst leise, dann aber immer lauter und unaufhörlicher zu spielen und zu singen. Was an sich nicht so schlecht war, meinte er, aber es wäre eben sehr lange und laut gewesen, so dass die geplante Besprechung schwieriger verlief als erwartet.
Das ganze sei 2 Wochen vor Veröffentlichung von "Wenn jetzt Sommer wär" gewesen und als er es dann im Radio hörte, erinnerte er sich an den Spinner aus diesem Café. So wurde er überhaupt auf mich aufmerksam. Na siehste! Hatt's doch was gebracht nachmittags auf ein Bier in die Kneipe und die Leute nerven. Kann ich nur empfehlen. Denn ihr wisst ja, der Superstar sucht Deutschland - nicht umgekehrt :-)

In Paris angekommen, wühlte sich Benny ziemlich zielstrebig durch den Schilderwald des großen Flughafens "Charles de Grohl " wie ihn die Foo Fighters wohl nennen mögen.

Nun, alles lief rund. Am Schalter angekommen trafen wir auf Danielle, die für einen Radiosender (Baselisk) in Basel arbeitet, und Sonja und Simone, die für die Welthungerhilfe arbeiten. Somit waren wir jetzt zu fünft. Mark sollte in Madagaskar am 2. Tag dazustoßen, da er sich schon in der Nähe Afrikas, der Insel.... Les Orion, befand.

Ich hatte einen Platz neben Danielle und versprach ihr, sie die nächsten 12 Stunden komplett vollzutexten. Daniel war unter anderem dabei, weil sie einen Bericht im Radio darüber machen wollte und in naher Zukunft eine Dependance von Viva con Agua in der Schweiz eröffnen wird.

In Madagaskar spricht man übrigens Französisch, das ich so gut wie nicht kann. Alle anderen hatten es zumindest von der Schule noch drauf. Tja, so saßen wir da, witzelten über dies und das, als plötzlich auf jedem der 2 Gänge des großen Flugzeuges jeweils ein Flugbegleiter mit 2 Sprühdosen auf und ab liefen und durchgehend zischend ein Spray verteilten.
Ich fragte Danielle, die zweifelsfrei mehr Flugerfahrung aufwies als ich, ob das ein Einschlafspray sei, um den langen Flug zu verkürzen oder ob sie wieder nach Sprengstoff suchten.
Ich wollte gerade die Sache mit den Bienen zum besten geben, da verriet sie mir, dass es sich lediglich um Raumspray handelte. Und da nahm ich auch schon eine leichte Brise vom guten alten WC-Bestäuber wahr. Und schon duftete das ganze Flugzeug wie ein frisch gewienertes Klo.
Jetzt rollten wir langsam los und rollten und rollten und rollten und rollten .... bis, ich wollte der Kiste den Namen "Flugzeug" gerade aberkennen da .... da hielten wir an und warteten und warteten.

Dann, eine Nachricht aus den Lautsprechern in Französisch. Die Leute verdrehten die Augen und beklagten sich "Uh La La!"

"Was ist los?" fragte ich. "Ist das Raumspray alle?"
"Schlechte News, es gibt Probleme. Wir haben irgendeine Panne" übersetzte Danielle.
"Und hat er gesagt was los ist - TÜV abgelaufen, Blinker kaputt oder doch neue Scheibenwischer?"

Ich war leider bester Laune und, obwohl ich kein Atze Schröder Fan bin, kamen mir immer wieder diese Sachen über die Lippen.
Sie konnte es nicht genau sagen. Nach einer langen Stunde der Ungewissheit und des Herumsitzens kam wieder die furchterregende Stimme aus dem Off und erklärte der Schaden sei erheblicher als erwartet und man müsse zurück in die Werkstatt um zu reparieren, aber da stünden andere Flugzeuge im Weg, daher müssten wir noch warten bis wir zurückrollen.

Also wieder warten. Irgendwann ging es tatsächlich wieder zurück Richtung Flughafen und als wir ankamen sagte man uns, dass der Mechaniker die benötigten Teile erst in einer halben Stunde bekommt, um sie dann einzubauen - also noch gute 1 1/2 Stunden warten.

Eine ältere Frau aus dem Süden Deutschlands übersetzte ihrem schwerhörigen Mann lautstark:
" Erschtama müsse mir noch warde bis des Schräuberle kommt und de Fluchzeich widder heil macht. " - oder so ähnlich.
Aber das erhellte meine Stimmung wieder und ich schrieb mir diesen Satz auf. Vielleicht lass ich ihn mir mal in den Nacken tätowieren.

Das Schräuberle ließ etwas auf sich warten und ich schlief ein.

Ich träumte von einer wilden Absturzaktion, in der es drunter und drüber ging, und ich hörte in diesem lebhaften, tumultartigen Traum einen unglaublichen Satz klar und deutlich. Diesen Satz bekam ich nach dem Aufwachen sogar noch zusammen. Also ich schrieb auf meinem Sessel sitzend, während wir abstürzten:

"[i>Ich kann diesem gottlosen Wirrwarr an Schicksalsschlägen genau jenes "NA UND" entgegen schleudern, mit welchem es sich durch die Reihen frisst![/i] "

Verdammt, was war ich cool in diesem Traum!
Und verdammt, was würd' ich mir in die Hosen machen, wenn so etwas passiert.

Mit einem Ruck erwachte ich, griff wieder zu Zettel und Stift und kritzelte auch diesen Satz auf. Jetzt stand auf meinen vorläufigen Aufzeichnungen für die Reise nach Madagaskar:

"Erschtama müsse mir noch warde bis des Schräuberle kommt und de Fluchzeich widder heil macht, Ich kann diesem gottlosen Wirrwarr an Schicksalsschlägen genau jenes "NA UND" entgegenschleudern, mit welchem es sich durch die Reihen frisst."

Ich fand das schon mal sehr gelungen.

Während ich aufschrieb, bemerkte ich einen stechenden Gestank in der Nase. Das Fluzeug stand ja und der Strom war seit mind. 2 Stunden aus - wie übrigens auch die Klimaanlage. 3 Leute zählte ich um uns herum hatten sich die Schuhe ausgezogen. Grüße aus ihrer Käserei Champignon.

Das Schräuberle brauchte dann noch 1 1/2 Stunden, während ich an der Käsetheke halb umkam, um sein Werk zu vollbringen.
Endlich hatte er dem Vogel die Federn gerichtet. Wie sehr hatte ich mich in dieser Zeit nach den Raumerfrischern gesehnt. Leute, ich bin echt nicht zimperlich, aber das war wirklich .... sehr intensiv.

Auf einmal sprang alles gleichzeitig an - die Klimaanlage sog förmlich die Ausdünstungen von ca. 300 Personen auf, die Bildschirme, welche jeder vor sich in der Kopflehne des Vordermanns angebracht sah, flackerten auf wie kleine Feuerwerke und gaben den Weg frei zu allerlei filmischen wie auch spielerischem.
Danielle und ich brachten es fertig in den nächsten 11 Stunden jeweils ca. 5 Filme hintereinander zu schauen. Neben mir in der anderen Sitzreihe saß ein Mann, der geschlagene 7 Stunden las, was ich sehr beeindruckend fand.
Zum Lesen fand ich keine Muße und ich bin so Bildschirmvernarrt - es gibt Seiten an mir, die ich wirklich nicht mag und immer gebe ich ihnen nach. So kam es, dass ich mir die volle Breitseite gab mit bescheuerten Filmen wie Hancok, Iron Man, Kung Fu Panda, Solaris und Narnia.
Solaris fand ich streckenweise kaugummiartig und dann wieder super gut.
Kung Fu Panda fand ich zur Hälfte sehr, sehr lustig und nachdenklich (die alte Schildkröte hatte mich echt heimlich zum Heulen gebracht als die Pfirsichblüte begann) Narnia, Ironman, später Badman und Hancok fand ich zwar kurzweilig, aber im Großen und Ganzen blöd.
Besonders doof fand ich Narnia - die Fans mögen es mir bitte verzeihen.
Ich gucke alles - vom letzten Mist bis zu schwierigeren Filmen.

Bei bestimmten Filmen glaube ich, bin ich auf der Suche nach dem Zauber meiner Jugend, in der ich Krieg der Sterne, Star Trek und Kampfstern Galaktika oder Blade Runner verschlang. Diese Gestalten wurden lebendig in einem, wie die Charaktere in Büchern das können. Aber bis auf Herr der Ringe und der 1. Teil von Matrix (nur der 1!) hat es keiner der heutigen Sience Fiction Filme geschafft mich trotz unglaublichster Specialeffekte wirklich zu beeindrucken.
Wahrscheinlich eben, weil sie total überladen sind.
Aber ob das damit zusammenhängt, dass ich älter geworden bin oder die Filme früher mit mehr Liebe gedreht wurden, kann ich nicht sagen. Vielleicht von beidem etwas.

Um das Thema abzuhaken: den besten Film sah ich auf dem Heimweg. Sideways. Den kann ich empfehlen. So jetzt Schluss damit.

Die Zeit verging jedenfalls wie im Flug und auf einmal stand ich unvermittels auf dem Boden Madagaskars, hatte meinen Rucksack geschultert und ging mit den anderen Richtung Eingangshalle. Es war so abenteuerlich!

Ich bin nämlich kein WeltenbummlerBackpacker - bin ich nie gewesen und daher erwischte mich das Gefühl mit der Luft, die mir in die Nase strömte, so überraschend schön, das ich Herzklopfen bekam. Und vielleicht hab ich es mir eingebildet, weil ich es in einem Reiseführer las, aber es fühlte sich tropisch an. Ich starrte in die Scheinwerfer der Maschine und hoffte auf irgendwelche handtellergroßen Schmetterlinge, Nachtfalterkäfer oder ähnliches.

Nachdem wir unsere Koffer hatten, wurden wir von einem Fahrer draußen erwartet. Ein Bus stand bereit und wir fuhren durch die Nacht auf Schlangenwegen in die Hauptstadt Antarnarivo auch Tana genannt.
Jetzt bekam ich im Scheinwerferlicht des Bullis die ersten Eindrücke dieses fremden Landes.

Es war jetzt ca 4: 00 Uhr am Morgen und ich erkannte schemenhaft, dass am Straßenrand verteilt über die ganze Strecke Menschen standen. Viele rannten auch in eine Richtung parallel zur Fahrbahn. Ein Arbeitstag beginnt. Und da sich viele Leute keine Autos leisten können, schleppen oder tragen sie ihre Ware, wie für Afrika typisch, in riesen Bündeln auf dem Kopf.
Es gibt sogar Straßenschilder auf denen stilisiert Menschen mit Bündeln auf dem Kopf gezeigt sind.

Die Leute, die nichts zur Arbeit tragen als sich selbst, sind in der Lage zu rennen. Dieses Rennen, war mein Eindruck, schien mir die ganz normale Geschwindigkeit zu sein, wenn es früh morgens noch kühl ist und man zur Arbeit will. Bei uns sieht man Menschen nur rennen, wenn sie einen Preis dafür erwarten oder auf dem letzten Drücker sind. Auch waren hier um diese Uhrzeit immer wieder Kinder zu sehen. Manche ca 3 -4 Jahre alt in braunen Lumpen gekleidet. Sie hockten zusammengedrängt unter Häuserdächern oder am Straßenrand und starrten in die Lichtkegel unseres Autos.
Manche spielten Ball. Seltsame Zeit zum Ballspielen und die Schule beginnt ja auch noch lang nicht.

Mit dem Erreichen der Stadt häuften sich die Menschenansammlungen. Vorbereitungen für einen Markt wurden getroffen und viele legten das, was sie hatten, direkt vor sich in den Staub.
Die Wege führten uns tiefer in die Stadt, die für mich so gar nichts von einer Hauptstadt hatte. Ich fragte noch verwundert "Das ist also die Hauptstadt von Madagaskar?"
Natürlich sah es aus wie eine Stadt. Aber als wir die Hauptstraße überquerten empfand ich es eben, zu dieser Nachtzeit zumindest, wie eine verstaubte Geisterstadt aus dem 18. Jahrhundert.
Es brannten kaum Lichter, keine Autos unterwegs und die Menschen waren eher in den Seitengassen zu finden. Dann bogen wir von der Hauptstraße ab und standen plötzlich vor einer Schranke mit 4 Soldaten. Wir wohnten in dem Viertel, das bewacht wurde, weil dort unter anderem die amerikanische Botschaft stand.
Die Hotels waren ansehnlicher und, weil dort eben was zu holen war, wurden wohl diese Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Die Soldaten leuchteten kurz in unsern Wagen, checkten ihn auf Sprengstoff, sahen sich den Ausweis des Fahrers an und wir konnten passieren.

Im Hotel angekommen waren wir echt Bettreif. Ich spulte die Vorgänge des Tourlebens automatisch ab. Rezeption, Adresse aufschreiben, Schlüsselbekommen, den anderen "Gute Nacht" sagen, rein ins Zimmer, Bad checken, Handy anschließen, ins Bett fallen und pennen.

Ich weiß, ich schaute noch eine Weile an die Decke und sog das Gefühl in mir auf, mich an so einem fernen Ort zu befinden. Ich war froh mich dazu entschieden zu haben.
Schlussendlich war der lange Flug und das Warten im Flieger gar nicht so wild oder langweilig wie immer befürchtet.
Man sagt immer "Wow, Madagaskar! Wie lange fliegt man da?" Ich war immer der Meinung, wenn man so einen langen Flug auf sich nimmt, sollte man auch wenigstens 3 - 4 Wochen bleiben.
Im Nachhinein muss ich sagen, es waren nur 8 Tage, die wir da waren und ich würde, wenn es Zeit und Geld erlauben, nicht mehr so darüber denken.

Übermorgen würden wir 15 Stunden nach Farafangana mit dem Auto fahren. Mensch, das würde erst mal nen Trip.
Über diese Gedanken schlief ich ein.

 

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