Pohlmann - König der Straßen

Fliegender Pohlmann

01.08.2008

 

Hier mal wieder der Pohlmann. Da hatte sich doch tatsächlich vor einigen Monaten ein Typ namens Ede bei mir über myspace gemeldet und mich gefragt, ob ich Bock auf kiten hätte, und dass er Boards shaped. Also das soll heißen, dass er die Bretter baut, auf denen diese Leute stehen, die an einem riesigen Lenkdrachen hängend durchs Wasser pflügen.

Er kam auf die Idee ein Board zu bauen, dass das Fliegende Fische Zeichen auf der Unterseite trägt.
Denn wenn so ein Kiter in die Luft geht sieht man die Unterseite des Brettes. Hammer Einfall.
Tja und dann war es fertig. Vielen Dank noch mal Ede, sieht echt corall aus. Und mit dem Unterricht machen wir hoffentlich weiter : )

Nun gut, es kam also nach vielen geplatzten Verabredungen und verregneten Tagen der Moment an dem ich mitkonnte.
In Hamburg war es sehr bewölkt und ich rechnete nicht mit gutem Wetter an der See. Ist aber Quatsch zu glauben, nur weil es in Hamburg schlecht ist, ist es auch an der See schlecht.

Auf dem Hinweg regnete es zwar, doch als wir in St. Peter Ording ankamen, klarte es auf.
Die Sonne brach hin und wieder durch die Wolken und erstrahlte wie in diesen 60er Jahre Jesus-Filmen am Himmel. Da fehlten nur noch die Englein am Firmament.

Wenn man so hört, was Leuten so alles passieren kann, die diesen Sport ausüben, dann kann so ein Endzeithimmel schon mal wie eine Begrüßung anmuten.
So manchen hat der große Schirm schon einfach mitgenommen und durch die Strandhäuschen geschliffen oder gegen die nächste Mauer geklatscht. Also nahmen wir respektvollen Abstand von den Mauern und Strandhäuschen und gingen zum Üben mit dem Pohlmann weiter an allem vorbei, an das ich andocken könnte.

Nachdem wir das ganze Zeug also an Ort und Stelle hatten, lernte ich, dass man so einem Drachen in sich Stabilität gibt indem man ihn aufbläst. Ich bekam eine Pumpe in die Hand und begann.
Nach einer „Abguckstunde“ ging es relativ schnell über in die „Selber- am- Drachen- hängen- Stunde“.

Man bekommt einen großen dicken Gürtel umgeschnallt, der vorne einen Stahlhaken aufweist. An diesem Haken ist der ganze Körper mit dem Drachen verbunden. Das ganze erfolgt also weniger über die Muskelkraft im Arm sondern eher über das Gegengewicht des eigenen Körpers. Mit den Armen gibt man über eine sogenannte Bahr Gas und lenkt den Schirm. Stellt sich Gefahr ein, sollte man an dem kleinen roten Band ziehen um den Drachen von sich zu lösen. Es ist dann aber mit Aufwand verbunden das Ding wieder einzusammeln wenn man auf dem Wasser treibt... besonders als Anfänger. Daher versucht man ihn doch immer irgendwie zu halten, was eben fatal sein kann. Es gibt eine Geschichte über einen Kiter, der sich 60 Meter in die Luft mitnehmen lassen hat, weil er den richtigen Zeitpunkt nicht fand, zu kappen. Erst noch zu niedrig um schon aufzugeben und dann zu hoch um runterzufallen. Das ist auf jeden Fall kein „Taube -Nüsschen –Sport“ wie Sponge Bob sagen würde.

Nun gut, ...als ich den Drachen oben hatte, merkte ich schnell, was für Kräfte auf mich lauerten. Er lenkte sich wie ein alter Ford Granada, womit wir wieder in den 60ern wären.
Er reagierte erstmal sehr langsam auf die Befehle, die ich ihm gab. Dann versuchte ich mal etwas mehr Gas zu geben und 3 Sekunden später stemmte ich schon gestresst die Füße in den Sand, damit es mich nicht wegreißt. WOW - ganz tückisch sind die Momente, in denen man glaubt, der Schirm fiele zu Boden, da vielleicht der Wind ausbliebe. Es ist aber so, dass der Schirm gerade aus dem Wind gedreht ist, sich langsam beim Fallen wieder eindreht, plötzlich volle Kanne Wind aufnimmt und abgeht wie Sau!. So einen Moment hatten wir auch. Ede schrie nur: „Lös dich!“. Das bekam ich vor Aufregung aber nicht hin, und da wir einen gnädigen Anfängerwind hatten, konnte ich die Sache noch halten
Das hieß, ich stemmte mich wieder in den Sand und hielt im Stotterschritt gegen. Das geht gehörig auf die Oberschenkel und die tun mir heute noch nach 1 ½ Wochen weh. Habe nen leichten Muskelfaserriss. Egal.

Nachdem ich den Drachen einigermaßen verstand, zog ich Edes nassen kalten Neoprenanzug an und ging ins Wasser. Er meinte, dass das für den ersten Tag beachtlich sei, was mich natürlich weiter ermutigte.

Im Wasser merkte ich endlich, wofür die Dinger gebaut wurden. Was man an Land vermeiden muss, nämlich all zu viel Zug drauf zu bekommen, muss man im Wasser provozieren. Zunächst erstmal ohne Board. Als ich das Monster im Wasser stehend oben hatte, traute ich mich erst nicht mich seinem Schwung auszuliefern. Aber wofür waren wir den hier! Im 2. Anlauf klappte es.

Als mich der Schirm dann mit Kraft bäuchlings durchs Wasser zog, leckte ich mehr Blut als ich Wasser schluckte! Jeaaaaah! Für einen richtigen Kiter war das zwar immer noch die Ponyhofabteilung, aber für mich eine Feuertaufe im Wasser.

Plötzlich schrie Ede rum wie ein Wilder. Ich schaute in den Himmel, da ich befürchtete der Schirm mache unanständige Dinge. Alles cool- ich hatte ihn im Zenit über mir. Dann merkte ich, dass er aufs Wasser zeigte. Der Wind nahm die meisten seiner Worte, die er vom Ufer aus rief mit, bevor sie bei mir auf dem Meer ankamen. Aber dann verstand ich „wowwww waaaaaaaa blaaa Seeeeedhuuuuund wooooww waaaarrrrr“ Ich stand bis zu den Achseln im Wasser, blickte mich nervös um, sah aber nichts, schaute wieder hinauf, damit sich der Schirm nicht selbstständig machte „BlaaaaaaaaawowwwwwHuuuuund da da !“ Ich sah immer noch nichts, aber die Aufregung, die er bei mir weckte, ließ mich ein wenig überschnappen.
Das Wasser war dunkel und plötzlich sah ich den Seehund 20 Meter neben mir auftauchen. Atemberaubend und Zuckersüß eigentlich und ich bin ein echter Tiernarr, aber das Wasser war mir immerschon unheimlich, obwohl ich mich magisch zu ihm hingezogen fühle.

Ich dachte, nachdem ich sah, wie der Seehund wieder abtauchte: „Gleich kommt er und beißt dir in den Arsch!“
Jetzt wisst ihr, was manche schon vermuteten...... Ich bin ne alte Schissbuchs. Ich schaue gerne Sponge Bob.
Aber deswegen stehe ich auf der Bühne, manchmal vor bis zu
10 000 Leuten, jetzt im Sommer. Eines der größten aller Gefühle ist es Angst zu überwinden. Aber nur nicht übermütig werden.
Ich zog an der Leine und war rutzputz wieder am Strand. Als ich Ede meine kleine Attacke gestand, mussten wir doch etwas lachen. Als ich dann erkannte, wie lächerlich es ist sich von einem Seehund bedroht zu fühlen, bin ich wieder ins Wasser und wir machten weiter, bis die Sonne rot wurde vor Neid auf den Spaß, den wir hatten.

Hanni und Nanni Ende. Demnächst mehr aus dem Meer
Schöne Grüße, euer Pohlmann.

 

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