Zeit
22.01.2008
Hallo - hier eine andere „Kleine Geschichte der Zeit"
Wir alle haben das gleiche, wahrscheinlich durch die Evolution bedingte, Zeitempfinden.
Jeder hat eine innere Uhr, mit der er schätzen kann wann etwa 10 bis 20 min vergangen sind.
Dieses Zeitempfinden kann sich verändern.
Wer einen Job hat, der weiß dass die Morgenstunden bis ca. 12 Uhr schneller vergehen als die 4 Stunden danach bis Feierabend.
Das hat glaube ich mit Erwartung und Abfindung zu tun.
Morgens findet man sich damit ab, dass man den ganzen Tag vor sich hat und da der Tag frisch ist und die Aufnahmebereitschaft gesteigert, führt das insgesamt dazu, dass die Aufmerksamkeit gegenüber der Zeit, die vergeht, geringer ist.
In der Zeit nach 12 Uhr beginnt man ständig auf die Uhr zu schauen, da man den Feierabend nicht erwarten kann, was dazu führt, dass durch den ständigen Zeitabgleich die Zeit als langsamer vorranschreitend empfunden wird.
Vielleicht sollte man sich angewöhnen in schönen Zeiten, die schnell vergehen, etwas öfter auf die Uhr zu schauen.
Für Leute, die Computer spielen, ist die gefühlte Zeitdehnung ein ganz normales Phänomen.
Ich würde sagen, dass je nach Spiel 1 Stunde auf der realen Uhr sich etwa anfühlt wie 10 bis 15 Minuten. Was dazu führt, dass ein Spiel, besonders Rollenspiele, ohne weiteres 10 – 15 oder mehr Stunden durchgezockt werden kann - was wiederum für Außenstehende nicht leicht nachvollziehbar ist.
Wer schon mal guten Sex hatte, der weiß, dass auch hier die Zeit ... aber ...ähmm...
Die extremste Form der Zeitverzerrung empfindet man wohl unter Drogeneinfluss.
Ich traf einmal Jemanden, der mir von seinem Freund berichtete.
Er und sein Kumpel hatten am Nachmittag miteinander telefoniert. Sein Freund meinte er wolle sich noch 2 „Dinger" reinfahren und duschen gehen oder so.
Dann rufe er ihn gleich zurück, damit sie sich Ausgehbereit bzw. „Ausgehbreit" für das Wochenende treffen könnten.
Was das für „Dinger" waren weiß ich nicht mehr genau. Jedenfalls wartete der Eine vergeblich auf den Rückruf des Freundes.
Nach ca. 2 Stunden versuchte er ihn zu erreichen, was jedoch erfolglos blieb.
In den nächsten 2 Tagen bekam er aber auch keinen weiteren Kontakt zu seinem Freud. Da diese Freundschaft locker gehalten wurde, kam ein zu frühes sagen wir mal „sich Sorgen machen" noch nicht in Frage. Am Montag Mittag, schellte dann aber doch endlich sein Telefon und der Freund meldet sich mit den Worten "so, ich wäre dann soweit - wo soll´s hingehen?" Verwirrt und ungläubig erwidert ihm der andere:
„Wie? Was? Wo soll es hingehen ???".
Er versuche nun schon seit 2 Tagen ihn zu erreichen. Es sei jetzt Montag Nachmittag und wo er denn bloß gewesen sei.
Vom anderen Ende der Leitung kam jetzt nichts mehr. Dann, zwischen verwirrtem Stottern, die Aussage, er habe doch nur kurz vorm Fenster gestanden ... und da waren 2 Blitze und und und er müsse jetzt sofort in ein Krankenhaus, es ginge ihm nicht gut.
Der eine rief jetzt einen Krankenwagen und brachte seinen Freund in ein Krankenhaus. In der Psychiatrischen Abteilung sprach er immer wieder von diesen beiden Blitzen. Nach und nach stellte sich doch tatsächlich heraus, dass diese beiden Blitze, die Sonne gewesen sind, die am Tage an seinem Fenster vorbeigezogen ist. Der Junge stand also, nachdem er diese beiden Dinger eingeworfen hatte, 2 ½ Tage vor dem Fenster seiner Wohnung und starrte hinaus und hatte Tage wie Blitze.
Das und Einstein's Relativitätstheorie sind das heftigste, was ich je über Zeitverzerrung gehört habe.
Schöne Grüße, Ingo.
