Grüße von der Tour
24.11.2007
Jetzt sind wir schon 7 Tage unterwegs und die Zeit vergeht wie im Flug. Wir haben uns lange auf die Tour gefreut und jetzt sind wir schon mitten drin auf dem 6 Stunden-Weg zwischen Köln und Berlin. Wir hatten große Erwartungen an die Tour. Erwartungen, die mich Anfangs überforderten.
Es begann ja alleine mit Gitarre. Da bin ich mit Ansgar durch die Lande gezogen - das hatte was und war schon echt abgefahren. Dann machten wir vorsichtige Schritte nach vorn und es formierte sich ein Unplugged Set mit Hagen Kuhr, der das Cello als Bass mitbenutzte, Christian Neander mit 2. Klampfe und Dirty unser Sicherheitschef : ) der die Percussion brachte. Das waren auch Momente, die ich nie vergessen werde. Und dann merkten wir, dass wir noch einen drauf setzten wollten und es folgte Christian Kretschmar und somit ein E-Bass, Klavier und 2. Cello. Dazu noch Reiner am Schlagzeug. Das ist schon viel in 1 ½ Jahren Entwicklung. Also von Stagnation kann man da nicht reden.
Die letzte Tour war ja quasi die erste mit den Jungs in dieser Besetzung und all die schönen Momente, die wir auf den Bühnen erlebt hatten, resultierten ja auch aus dem Umstand, dass es das erste Mal so war. Es gab keine Erlebnisse vorher, mit denen man diese erste Tour hätte vergleichen oder messen können. Alles kommt so neu und überraschend daher, dass man vor lauter Staunen nachts nicht ins Bett will .
All die Vorfreude auf diese Tour kann einen letztlich nicht versichern, dass alles noch mal so wird. Jeder kennt das. Da sagt dir einer "Da ist demnächst die Party des Jahres - das war doch letztes Jahr auch der Hammer." Du gehst hin und der Abend war 'n Griff ins Klo. Und dann ruft ein Kumpel an, der dich überredet noch auf ein Bier mit vor die Tür zu kommen und du hast den witzigsten Abend des Jahres. Es sind eben oft die Erwartungen, die es schwer machen, die Dinge gelassener auf sich zu kommen zu lassen.
Der Tourauftackt war in Kiel. In der Halle 400. Wir hatten einen schwierigen Sondcheck. Alles klang defus und ungenau. Als würdest du durch Watte atmen und suchst danach irgendwo in einem Loch reinzubohren. Umso lauter wir uns auf der Bühne schraubten, desto schwieriger war es den Überblick zu bewahren und je leiser desto zerbrechlicher war alles. Vielleicht waren unsere Soundvorstellungen durcheinander geraten und keiner wusste so richtig was er braucht um glücklich zu sein. Wenn man nicht weiß was man zu seinem Glück braucht, setzt man manchmal Dinge in Bewegung, die man vielleicht an Ort und Stelle hätte lassen sollen.
Wir beruhigten uns wieder damit dass der Laden besser klinge wenn erst mal Leute drin sind. Die gute alte Soundweißheit. Übrigens gibt es keine Soundchecks ohne diesen Spruch.
Ok, aber auch das lockerte die Situation erst mal nicht auf. Die Jungs und ganz besonders Reiner waren trotzdem guter Dinge. Dann und oft viel zu plötzlich beginnt bzw. begann das Konzert und ich muss leider sagen, dass der Sound auf der Bühne echt schwierig war und wir mussten uns ins Zeug legen, um das Gefühl reinzubekommen, das wir von der Musik erwarteten. Aber vielleicht war das schon ein Kopfvirus.
Die Kieler machten zu unserem Glück die Arme weit auf, was es wieder leichter machte nach den Liedern durchzuatmen. Es fühlt sich vielleicht komisch an, für jemanden, der aus Kiel da war, das zu lesen. Manche werde vielleicht sagen "Was soll´s, ich fand es schön!" Oder "Der hat recht - so richtig hat es mich nicht geflasht." Es ist mir auch wichtig mal diese Seite zu zeigen.
Aber, es ist ehe nur die beschränkte Einsicht des Musikers, die ihr hier bekommt.
Eine Einsicht, welche das Ganze unter einer stark vergrößernden Lupe darstellt.
Gut waren wir schon, aber wir mussten kämpfen und das sind wir nicht gewohnt.
Ich hörte später das schon „The Boss Hoss“ und „Laith Al Deen“ sich in dem Raum die Zähne ausgebissen hatten. Schade, das sah anfangs sehr vielversprechend aus. Wir kamen als Löwen und gingen als Kätzchen. Ich muss es leider so sagen.
Nach dem Gig standen große Fragezeichen über unseren Köpfen. Bewahrheiteten sich jetzt meine Zweifel? Haben wir die Latte zu hoch gehangen? Dann kam der Hamburg Gig. Und es war wieder der gute alte Hammer, mit dem wir schmieden konnten. So überraschend wie es sollte. Wie neu, frisch gewaschen und den Flecken, die nicht raus gehen, an der richtigen Stelle.
Seither ist der Spuk vorbei und die Konzerte machen unglaublichen Spaß. Kein Abend ist wie der andere und alle hatten das besondere Etwas. Jeder, der auf unseren Gigs war, weiß was ich meine.
Du bekommst alles an Gefühlen in die Musik rein... Das Lustige, Klamaukige, das Verliebte, das Traurige und das Zornige.
Ich selbst befinde mich immer auch vor der Bühne, obwohl ich ja da oben sitze. Und ich denk mir manchmal "Für wie schizophren müssen dich die Leute eigentlich halten?"
Ich glaube, ich bin es nicht mehr und nicht weniger als jeder andere. Ich will mich eben nicht auf eine Seite des Musikalischen festlegen lassen und wie viele Seiten und Farben gingen verloren, nur weil man Angst hätte, die Leute zu verwirren. Vielleicht muss man das Verwirrspiel akzeptieren, um sich klarer zu fühlen. Leicht gesagt? Auf den Konzerten zumindest klappt es so toll, dass ich mich manchmal davor erschrecke, um dann aber umso aufgeregter mit den Leuten darin zu versinken.
Mir fiel zu diesem Tourstart ein, dass es war, als wollten wir mit dem Wagen raus aus der Tiefgarage, obwohl das Garagentor noch nicht ganz hoch gefahren war. Aber dafür sitzen wir jetzt im Cabriolet : )))
Danke, dass immer soooooooo viele kommen.
Euer Pohlmann
