Hallo Leute,
02.05.2006
also, da mich so viele Leute fragen, wie ich auf das Lied „Wenn jetzt Sommer wär“ gekommen bin, werde ich euch nun mal die Geschichte dazu erzählen. Es gibt natürlich Lieder deren Hintergrund ich eigentlich nicht erklären würde. „Dämon“, „Da bin ich“ oder „Wenn die Nacht beginnt“ sind zum Beispiel Songs, bei denen jeder seinen eigenen Träumen und Vorstellungen folgen sollte, bevor irgendwelche Erklärungen meinerseits dazwischenfunken.
Nun aber zum Sommer: ich habe einen Balkon im ersten Stock zur Straße raus. Da sitze ich im Sommer, spiele Gitarre und schaue mir die Leute an. Direkt unter dem Balkon ist eine Bushaltestelle und daneben wiederum ist ein Fußgängerüberweg. Vor etwa 2 Sommern standen an diesem Fußgängerüberweg – wie von der Großstadt hingestellt – ein Punker, ein Banker, eine Oma und ein kleines Mädchen von ca. 6 Jahren. Als ich die vier da stehen sah, war ich zunächst nicht so beeindruckt. Dann aber kam ein ganz interessanter Moment hinzu, der die Sache spannend machte. Eine Wespe – ganz böse und gefährlich – mischte sich unter die Vier und nahm sich einen nach dem anderen vor.
Der Banker stand starr da und wollte der Gefahr von der Wiese nach Möglichkeit keine Aufmerksamkeit schenken. Es schien mir so, als schickte es sich nicht in Anzug und Krawatte ein all zu würdeloses herumwedeln zu veranstalten. Er kam letztlich aber nicht umhin, zu versuchen, sie mit seltsam anmutenden Bewegungen verscheuchen zu wollen. Die Wespe zog weiter.
Die Oma drehte sich im Kreis und versuchte das Tier dabei im Auge zu behalten. Ich befand, sie machte das recht ordentlich und bemerkenswert war auch, dass sie vor Schwindel nicht direkt auf die Straße rotierte : ).
Das Mädchen rannte panisch im Zick Zack und machte komische quiekende Geräusche (als ob’s das bringen würde). Als sie sie abgeschüttelt hatte stellte sie sich wieder an den Bordstein und wartete brav.
Der Punker muss ich sagen, schlug nicht – wie zu erwarten war – auch blindlings durch die Luft, sonder war der Situation gegenüber so lässig, wie es der Banker gerne gewesen wäre. Er machte überhaut keine Anstallten, sich näher mit der Wespe zu beschäftigen. Sie war ihm schlichtweg egal. Meine Theorie war, dass er den ganzen Sommer in Parks und in der Innenstadt gelernt hatte, sich mit Wespen zu arrangieren. Ich tu dir nichts, du tust mir nichts – fertig. Die Ampel sprang auf grün, die Menschen überquerten die Straße, als ob nichts geschehen wäre. Und die Wespe flog in die nächste Bäckerei ...
Vespe
Ich musste auf jeden Fall mal wieder lachen, über die komischen Leute an meinem Fußgängerüberweg. Ich dachte mir, „dass gerade ist ein Song wert“. Wir hörten in diesem Sommer sehr oft Jack Johnson. Ich hatte das Gefühl, ein Song in diesem Stil könnte die Leichtigkeit des Themas gut unterstützen. Ich begann also mit Akkorden und einem Text herumzuspielen ... „Wenn ich eine Wespe wär, würd ich die Menschen tanzend machen ... wenn ich eine Wespe wär, wär ich sehr, sehr, sehr gefährlich ... wenn ich eine Wespe wär, würd mir nen Stachel aus dem Hintern lachen ... wenn ich eine Wespe wär, dann wär mein Leben herrlich ... Denn ich hätte Spaß daran ...“ usw.
Ich dachte weiter darüber nach, wie ich die Geschichte mit den Leuten auf der Straße einbringen könnte. Ich fand zwar Worte, aber irgendwie fand ich auch, dass sich das alles anhörte wie Rolf Zuckowski und seine Freunde – oder Vater Abraham und seine Schlümpfe. Nebenbei bemerkte ich, dass die Melodie, die ich entwickelt hatte, richtig was taugte, aber der Text wurde immer zäher. Was tun ? Die Story fand ich zu gut, als das ich es liegen lassen wollte. Und so zog der Sommer dahin, aber ich kam nicht richtig vorwärts. Nena hat mal zu mir gesagt: „Wenn ein Text zu schwierig wird, dann lass ihn liegen, bevor es zu konstruiert wirkt. Ein Text muss einfach so kommen, aus dir heraus.“ Ja schön, das ist leicht gesagt. Obwohl ich verstehe, was sie meinte, bin ich nicht grundsätzlich dieser Meinung. „Dämon“ zum Beispiel hat mich Zeit gekostet und ich finde ihn sehr gelungen. Aber diesmal wusste ich das muss „easy going“ sein. Ich legte die Idee mit der Wespe also zur Seite.
Plötzlich war der Sommer zu Ende. Es wurde Herbst und immer Kälter. Der Winter kam und ich begann den Sommer ganz schrecklich zu vermissen. Eines Nachmittags hockte ich zuhause rum, schaute aus dem Fenster und regte mich innerlich darüber auf, wie wenig ich in und aus dem letzten Sommer gemacht hatte. All die guten Vorsätze wie „Wir fahren jedes Wochenende an den Strand nach St. Peter Ording“.
Dann erinnerte ich mich an die Badeanstalt (Batze!!!) in Rheda-Wiedenbrück und wie wir im BP1 auf dem Schulterblatt in Hamburg im Sommer Gitarre spielten. Und dachte bei mir „Ach, wenn jetzt Sommer wäre“. Plötzlich kam es dann aus – wollen wir mal sagen – heiterem Himmel :) ... „wär ich hinterher, mir nen Shirt anzuziehen und dann ab ans Meer“. Danach ging tatsächlich alles recht schnell. Es war die pure Freude, sodass ich den ersten Refrain nicht richtig aussingen konnte, da ich vor lauter Spaß immer wieder lachen musste.
Manche Songs brauchen eben doch ihre Zeit und manche Texte ihr Gewand. Man weiß eigentlich nie genau, woran man ist, aber das ist ja das spannende daran. : )
Aufgrund der vielen Anfragen der Akkorde zu „Wenn jetzt Sommer wär“, habe ich sie hier mal für die Gitarristen unter euch aufgeschrieben. Also die „Lagerfeuerversion“.
Strophe: Wenn jetzt Sommer wär......(D moll 7 / C / G / A moll 7) 2X
1. Bridge: Und wenn bei dir jetzt... (D moll 7 / G / C / G / A moll 7) 2X
2. Bridge (half beat) Dann denke daran...(D moll 7 / G / C / G / A moll) 2X
Refrain. Wenn jetzt Sommer wär ...(D moll 7 / G / C / G / A moll 7) 4 X
Der Mittelteil:
Und weil bei mir jetzt gerade Winter ist ... D moll 7 / G / D moll 7 / G / D moll 7 / G / C / G / A moll
Den Soloteil der Albumversion habe ich jetzt weggelassen aber wer will:
A / C / G / D als Untermalung.
Das Solo selbst kann nur Christian Neander so. Soll heißen, vielleicht kann das von euch einer ich selbst hab keine Checke wie man so spielen kann. Ich bin nur der Songwriter : )))
Ich wünsch euch viel Spaß damit und einen herrlichen ehrlichen Sommer 2006 !!!
euer Pohlmann.
