Pohlmann - König der Straßen

Hallo Leute,

17.08.2006

 

es ist wieder viel Zeit durchs Land gezogen. Die Fußballweltmeisterschaft ist überstanden, die Fahnen der letzten Patrioten brechen bei hohen Geschwindigkeiten von den Autos ab und fliegen auf den Autobahnen dem Hintermann in die Windschutzscheibe. Ich habe das Fußballspektakel als „Fän-chen im Wind“ (Manche von euch wissen schon, was ich meine) und mit viel Interesse verfolgt. Fußball war nie mein Steckenpferd, besser: auf diesem Pferd blieb ich immer eher stecken. Da ich genau zu dieser Zeit viele Interviews bei Radiosendern hatte, blieb es nicht aus das man mich um Stellungnahme bat. Am Anfang habe ich versucht, neues Wissen über Fußball mit vermeintlich älterem zu verbinden. Das Resultat: falsche Jahreszahlen trafen mit falschen Spielern und Vereinen zusammen ... Nach dem Spiel Deutschland gegen Polen rief ich meinen Kumpel Daniel an. Ich meinte begeistert (aber auch etwas ironisch, da Daniel ein begeisterter Fußballanhänger ist), dass ich jetzt auch ein Fußballfan sei. Daniel entgegnete mir ganz cool und meinte: „Nein Ingo, du bist nur ein Fän- chen im Wind“. Daraufhin musste ich lachen und sagte ihm, dass ich aus dem Ding ein Lied machen werde. Nun, das Lied ist so gut wie fertig und kommt, wie vieles von dem neuen Material, auf die nächste Scheibe. Auch wenn die Fußballweltmeisterschaft längst vorbei ist. Ich als überzeugter Spätzünder kann die Dinge eben immer nur dann liefern, wenn sie Kommen. Zum Glück kommt der Sommer jedes Jahr :-)

Wen es interessiert, der kann sich hier noch ein paar „Handyimpressionen“ der Schanze anschauen, die ich auf dem Klo des BP aufgenommen habe …



Nun mal zu den neuen Songs. Neue Songs wie „Was man nicht bekommt“ oder „Sternschnuppe“, die der eine oder andere schon ausschnittsweise Live gehört hat, werde ich natürlich auch erst mit der nächsten Platte veröffentlichen. Mir ist es wichtig, möglichst früh Songs zu haben, die ich live mal „testen“ kann, um diese dann mit dieser Erfahrung eingeschliffener ins Studio zu bringen.

Jetzt habe ich gerade mal wieder ein paar Tage Luft und Zeit, etwas zu schreiben. So viel, wie ich unterwegs war ... man kommt zu nix und wird immer schusseliger. Beispiel gefällig ? In Erfurt stand ich auf der Bühne und nach dem Konzert hielten mich die beiden Zwillingsmoderatoren von Jump noch auf der Bühne fest, um mir ein paar Fragen zu stellen. Die erste hab ich kaum verstanden. Es ging irgendwie darum, wie ich die Stadt Erfurt fände und dann meinten sie, mein Cottbusser Fanclub wäre ja auch da und was ich den Cottbussern den sagen möchte … Ich war so durch den Wind, dass ich sagte, ich hätte nicht viel gesehen von der Stadt und dass ich leider wieder zügig weiter muss. Dass ich auf der Bühne in Erfurt stand und das sagte, gab zum Ausdruck, dass ich keinen Schimmer hatte wo ich mich befand. Ich brauchte erst mal eine Pause. Ich ging von der Bühne mit etwas rotem Kopf. Dann ab in die Karre und erst mal Pennen. Im SWR Studio bei der Sendung „Ring Frei“ fragte der Moderator in die Runde, was denn unsere Lieblingssendung im Fernsehen sei. Darauf hin sollte der Komiker neben mir wie abgesprochen einen Witz machen. Ich blödelte in meinem Kopf vor mich hin, fiel vor ihm ein und meinte (was in meinem Fall zwar stimmte, nur unpassend war) „Zimmer Frei“. Wie gesagt, die Sendung in der ich mich befand, hieß „Ring Frei“. Man sollte zwar sagen, was man denkt, nur nicht immer zu jeder Zeit. Und dann war da noch dieses „Ich-packe-meinen-Koffer-Spiel“ unter verschärften Bedingungen, was bedeutete: gestikulierende Bewegungen zu jedem Gegenstand. Ich war so aufgeregt, dass ich am Anfang nur das Teil nannte, das ich einpacken wollte, ohne die Sachen der anderen aufzuzählen, was das Spiel ziemlich sinnfrei machte. Dazu noch ohne zu gestikulieren. Leute, Leute es gibt so Tage ... Ansonsten aber verlief die Sendung sehr gut. Ich mochte diese durchgeknallte Art des Moderators Pierre M. Krause. Ebenfalls zu Gast bei der Sendung war Mambo Kurt. Der covert Songs Wie „Are you gonna go my way” von Kravitz oder „Thunderstruck” von AC/DC auf einer Bontempi-Heimorgel – was genial absurd ist und deswegen echt komisch. Der hat einen ähnlichen Schlag schräg wie Helge Schneider.

Ein Gig in Wittenberge … Als wir in Wittenberge ankamen, war es locker 38 Grad und die Bühne stand in der prallen Sonne. Wir spielten zum Abschluss eines Sportereignisses. Es ging um die Meisterschaft der hiesigen Rudervereine. Es waren ca. 400 Menschen da, zweiter wurde der PHC so und so. Wir hatten bei der Ankündigung der Mannschaften erst „THC“ verstanden und witzelten darüber, wie die Jungs völlig platt geraucht ins Ziel einlaufen. „He, Mann sind wir schon da Mann ?“. Letztendlich standen bei Showbeginn ca. 15 Leute vor der Bühne. Der THC kam auch langsam (verdächtig langsam) dazu. Als ich dem THC dann zu seinem 2. Platz beglückwünschte, erschallte es Lautstark „PHC Junge!!! Nicht THC.“
Zum Schluss verabschiedete ich mich noch bei den 15 Fans, die wacker in der Sonne ausgehalten hatten (ohne euch hätte es keinen Sinn gemacht) und dann auch noch mal Namentlich beim THC, dessen Mitglieder während der Show teilweise eher uninteressiert, uns den Rücken zu gewand, vor der Bühne standen. Dann rief noch mal einer Laut „PHC, Junge!!!“. Und von mir ein „Weiß ich doch, Junge“… Aber bei mir weiß man ja nie.

Da das Sportereignis längs der Elbe an einem sich teilenden, naturbelassenen Flusslauf stattfand, hatten wir eine wunderschöne Kulisse. Es flogen ein Storch und ein roter Milan so dicht über unsere Köpfe hinweg, dass wir Gänsehaut bekamen. Ein Milan ist ein großer, schöner Greifvogel mit geröteten Flügeln. Er war erst weiter weg und wir zeigten mit dem Finger drauf, weil es ein recht seltenes Tier ist. Und dann kam er immer näher und verlor an Höhe und kam noch näher und wurde immer größer, sodass wir ihm schon fast in die Augen schauen konnten. Ich erinnerte mich plötzlich an die Adlerdrachen, die wir als Kinder immer steigen ließen. Christian, einer der Cellisten, die mich begleiten, entfuhr ein lautes „Wow!!!“, weil das Tier so nah kam, als wolle es uns Mäuse vom Kopf fressen.

In Hannover gab es einmal einen Zwischenstopp. Wir suchten nachts noch eine Kneipe, fanden aber erst mal nur „Bum Bum Clubs“, was nicht so unser Ding war. Irgendwann kamen wir in einen Laden, der wahrscheinlich in der Stadt als der Baggerschuppen Nummer 1 bekannt war: „Das Brauhaus“, unglaublich! So eine Art Ballermann mitten in Hannover, nur der Sound war etwas besser. Der Laden gehört angeblich einer (jetzt nicht lachen) „Frau von Hinten“. Den Vornamen habe ich nicht in Erfahrung bringen können. Tut ja auch eigentlich nichts zu Sache. Unter normalen Umständen ist das auch nicht mein Witze-Niveau, aber da es nun mal der Wahrheit entspricht, möchte ich euch die Geschichte zu Ende erzählen. Was nämlich noch zu der Story gehört ist, dass es mir an dem Abend ein Musiker erzählte, der dort mal gespielt hatte. Sie hatten damals ein Problem mit dem Zugang zur Bühne und sollten ihr ganzes Equipment durch den schwer zugänglichen hinteren Bereich an die Bühne schleppen. Als sie mit der oben genannten Veranstalterin versuchten zu regeln, ob die Bühne nicht anders zu erreichen wäre, meinte ein Musiker: „kann man bei Ihnen nicht ganz normal von vorne ran“, was bei den anderen wohl zum krampfhaft-unterdrückten Lächeln führte. Bei mir auch :-)

Auf dem Rückweg ins Hotel, kamen wir an einer Apotheke vorbei, in der eine Maus eingesperrt war. Nicht etwa eine ganz normale Maus (schnödes Adlerfutter), sondern eine so genannte Refor-m(h)aus, aber seht selbst:

Gestatten, Karl Lauer : )

In Leipzig fingen wir an zu spielen und bereits nach drei Stücken begann es so dermaßen an zu schütten, dass es kaum mehr möglich war, weiter zu spielen. Dazu fiel die Monitor-Box aus, aber die Leute tanzten weiter im Regen. Phantastisch. Was für Fans. Ich war echt gerührt und wollte unbedingt weiter spielen, weil der Moment so schön war. Dann kam ein Bühnenanweiser und schrie durch den lauten Regen „du musst sofort runter kommen, das ist sau gefährlich“. Weil es eben blitzte und man durch das Mikro den Himmel gerade dazu aufforderte sich auf seine Weise herab zu lassen. Ich sah es ein und ging runter. Als es aufhörte wischte man die Bühne und wir bekamen den Gig noch hin. Ich wollte nur an dieser Stella ein „Yeah, Yeah!!!“ loswerden für die Leute, die dort im Regen standen und tanzten.

Dann war ich mal wieder als „Ein-Mann-Vorband“, diesmal mit Sasha, unterwegs. Das war wirklich ein großer Spaß. Sasha selber hatte ich zwar vorher schon mal über Henning kennen gelernt, muss aber zugeben, dass ich ganz früher nicht gerade ein Sasha-Fan war. „I Feel Lonely“ galt bei mir nur als eher schwer verträglich. Aber so nach und nach veränderte er seinen Sound, für meinen Geschmack sehr positiv. Und als er dann mit Dick Brave loszog und ich ihn live in Münster gesehen hatte ... One of those Kings. Mann, der hatte den Schwung der 60er im Arsch !!! Hammer!
Jetzt, nach unserem ersten Gig, stand ich neben seiner Managerin an der Bühne, während er mit seiner Band draußen Gas gab. Sie meinte, „pass auf, gleich kommt was, das dich wundern wird“. Ich dachte, hoffentlich spielt er nicht „I feel Lonely“, die Zeiten sind doch vorbei. Und dann spielten sie es doch. Aber Leute ... Die haben das Ding umgemodelt und eine Ballade daraus gemacht, die ihres gleichen sucht. Ich erkannte das Lied nur schemenhaft am Text wieder. Und dann kommt dieser Refrain, in dem er dieses „I Feel Lonely“ einfach stehen lässt und das Leben eines Künstlers, wie von dem Kollegen da oben, der viel gesehen und gemacht hat, kommt dir seltsam nahe. Der Refrain erwischt dich 3-4 Sekunden zeitversetzt, weil er es so seltsam in die Länge zu ziehen weiß. Wow!!! Also, das lohnt volle Kanne, da mal hin zu gehen. Seine jetzigen Konzerte sind noch nicht ausverkauft.
Er, wie auch seine Band, sind äußerst sympathische Zeitgenossen und ich freue mich schon auf weitere Gigs mit ihnen. Sie fahren, worauf ich ja ganz neidisch bin, mit einem riesen Night-Liner durch die Gegend. Da kommt echte Tourromantik auf !!!

Wenn ich mir meine alten Tagebucheinträge so durchlese und über all die Leute nachdenke, die ich schon begleiten durfte ... Die Tunstall Crew, Vonda und ihre Jungs, Xavier Rudd, die ganze Boss Hoss Bande, die Kumpels geworden sind, die Revolverhelden, die Elke Rocker und jetzt Sasha mit seinen Leuten … da sind keine Scheiß-Typen dabei gewesen, das kann ich sagen. Alles super-spannende Leute und zumeist super nett. Der Pop-Rock-Himmel wird zur Zeit von einem guten Stern bewacht, glaub ich. Da kann ich echt von Glück reden.

So jetzt ist es Schon wieder Halb 3 in der Nacht von Montag auf Dienstag. Auf der Stresemannstraße unter meinem Balkon fahren nur noch vereinzelt ein paar scheißlaute LKWs vorbei. Ich geh jetzt noch ins Le Founk und trink ein Feierabend(Nacht)Bier. Und wir sehen uns demnächst wieder.

Der Pohlmann.

 

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