Pohlmann - König der Straßen

Hallo Volks,

20.08.2007

 

so, nach längerer Abwesenheit bin ich mal wieder da und habe Zeit zum Schreiben.
Ist ja ne Menge passiert. Hab nen neues Video gedreht, war im Urlaub, hatte einen Hammer Strandperle-Gig mit viel Regen hier in Hamburch und watt nich alles.....

Ich hatte ja schon vor 3 Monaten meinen Urlaub auf Formentera geplant, da war es natürlich der Hammer Zufall als der Diezinger Alex, der das Video mit mir gedreht hat, vorschlug am besten nach Formentera zu fliegen, da es dort eine gewisse Wettergarantie gibt.

Also bin ich mit der Band 3 Tage früher hin. Am ersten Tag wurden Details besprochen und die Insel besichtigt. In dieser Nacht bekam ich dann erst mal ne Mittelohrentzündung. So fielen meine Pläne, im Urlaub einem Tauchkurs zu machen, quasi ins Wasser.
Der Arzt sagte: keine Unterwasser Szenen. Also strichen wir das aus dem Drehbuch. So was hab ich noch nie gehabt nervt - auf jeden Fall. Besonders nachts. Immer ist was. Beim letzten Dreh hatte ich ne hammerharte Grippe und habe Tabletten geschluckt bis zum abwinken.
Hypochondermann. Na ja.
Also, morgens um 4: 30 ging es los. Wir fuhren zum Hafen und ich bekam das erste Mal mein kleines Boot zu Gesicht. Ihr habt ja schon ein paar Photos gesehen. Abgesehen davon, dass ich dachte damit sicher unter gehen zu müssen, da es im Inneren nicht im besten Zustand war, machte es keinen sehr zuverlässigen Eindruck - also alles ziemlich morsch.
Trotzdem wurde dieses Boot mit Bedacht gewählt. Denn erstens, dieses Boot ist von seinem Fischerbesitzer in längst vergangenen Zeiten auf den Namen „Nada“ getauft worden. Was soviel heißt wie: „nichts“ . Da das Lied ja „Wenn es scheint, dass NICHTS gelingt“ heißt, fand ich das schon mal supajeil. 2. der Slogen geht weiter: „ ist´s manchmal das, ganz genau das, was uns weiter bringt“. Das finde ich ist eine der positivsten Möglichkeiten sich mit seinem Schicksal auseinander zu setzten. So, und Boote dieser Art nennt man in der Seglersprache „Optimisten“.... Also Kira, ( Aufnahmeleiterin und Bootsaussucherin)... keine Fragen, that was the right Boot : )
Wir fuhren dann mit 2 weiteren kleinen Schiffen, die mich zogen und filmten aus dem Hafen aufs offene Meer. Ich hinten drin. Das Meer unter mir wurde immer schwärzer. Da war nur der dünne Bootsboden zwischen mir und dem tiefen unergründlichen ...ähm ...Mittelmeer.... Da seht ihr mal mit wie viel Eiern ich meinen Tauchkurs gemacht hätte.... Na ja, eigentlich war es auch gar nicht so schlimm. Ich habe nur vor der Abreise den Film: „Open Water“ gesehen. Ich hab die ganze Bettdecke aufgefressen so spannend fand ich den Schied. Wer den noch nicht gesehen hat .....alter Schwede! Da werden 2 Touritaucher im Ozean vergessen. Das Tauchboot fährt einfach zurück in den Hafen und die 2 sitzen mitten auf dem Ozean fest. Den Rest des Filmes erledigen die Haie. Ja klar blutrünstiger Haie–Schlechtmacher-Film. Is richtich. Ich hab gestern noch mit einem Tauchlehrer gesprochen, der den ganzen Film als totalen Vollmist bezeichnete. Is auch richtich. Aaahaaaber liebe Leute, ich war schon froh, dass ich nicht über Bord musste und ohne Taucherbrille und mit Augen auf unterm Boot herschwimmen musste, wo es unter mir doch so schwarz und finster war....bibber bibber.

In meinem „Optimisten“ jedenfalls erschien mir so nach und nach alles sicher. Den Tauchschein mach ich nen anders mal.

Wir fuhren dann alle möglichen Drehorte ab, wobei es darauf ankam, dass entweder das Licht stimmte oder keine anderen Boote ins Bild gerieten.
Morgens, da es noch bewölkt war, was gut war, stimmte das Licht immer. Nur dann, wenn die Sonne hervor kam, wurde es schwierig. Wir brachen 100 mal ab. Entweder schrie der Kameramann „Boot im Bild“ oder „Licht scheiße!“ Dann fuhren wir wieder woanders hin. Irgendwann war ich auch klatsch nass vom Hinterherziehen in der Nussschale und ich ging aufs richtige Boot zum Essen und Trocknen. Als wir dann einen neuen Drehort ansteuerten und ich nicht mehr hinten im Optimist saß, fehlte ihm das Gewicht, dass ihn mit der Schnauze vorne nach oben drückte. Da den ganzen Tag nix passiert war, vergas man auf das Bötchen zu achten und so bemerkte zuerst niemand wie der Optimist immer mehr Wasser schluckte, dadurch immer schwerer wurde und dann hinter dem schleppenden Schiff versank. Ich weiß nicht wie lange wir das Ding unter Wasser mit Vollgas hinter uns herzogen. Das hätte jedenfalls auch böse ins Auge gehen können. Wenn es sich mit dem dicken Seil irgendwo unter Wasser verharkt hätte, hätte es einen mordsmäßigen Rums gegeben, da der Optimist ja fest an das andere Schiff gebunden war. Das ist so, als wenn du dein Auto an der Laterne festbindest und mit 30 kmh los fährst. Nicht ohne schätze ich. Zum Glück trat diese Katastrophe nicht ein. Jemand, ich glaube Kira, schrie: Wo ist das Boot, die hatten es doch dahinter. Ja dachte ich, wo ist es „Ich hab es eben noch gesehen. Hhhhhhaaaaaalt!!! Ihr habt das Boot verloren.“ Die Jungs auf dem anderen Schiff bemerkten es dann auch und gingen in die Eisen bzw. vom Gas. Jetzt begann man hektisch mit vereinten Kräften das Boot hoch zu ziehen. Was wohl davon übrig ist? Komischerweise war das Segel noch dran. Wenn nicht, hätten wir abbrechen müssen, da auch euch das bestimmt im Video aufgefallen wäre ... hä ...komisch warum hat den der jetzt kein Segel mehr.

Jetzt fuhren wir los und suchten nach den Holzplanken und Dingen die das Boot unter Wasser verloren hatte. Das Meiste schwamm oben, ca. 500 Meter hinter uns rum. Nach der Einsammelaktion fuhren wir weiter zum Strand, wo das Video dann ja endet. Im seichteren Wasser drehten wir ein paar Nahaufnahmen in denen der Kameramann und der, der das Boot in der richtigen Position hält ins Wasser mussten. Dort war es türkisblau, und man hätte von einer lustigen Abkühlung sprechen können, wenn nicht Medusa ihr Unwesen getrieben hätte. Zwar wird man bei ihrem Anblick nicht zu Stein, aber wenn du sie berührst wird’s buchstäblich brenslich.
Das Feuer, das kein Wasser löschen kann, ist das der Feuerqualle : )
Jetzt bekam eine nach dem anderen von ihr, da sie viele Schwestern dabei hatte, ne Ladung verpasst......“Auh shit, mich hat eine erwischt.“ Der Kameramann musste raus.

Man einigte sich darauf genug „Nahmaterial“ zu haben und es ging weiter zu Strand.
Janina, die Bootslenkerin, Tauchlehrerin und Freundin von Kira, zog, dass muss hier einmal erwähnt werden, das kleine Boot mit all dem Equipment durch das von Medusa bevölkerte Wasser, mittels Körbereinsatz an Land! Die Schiffe hatten zu viel Tiefgang und mussten weit ab vom Strand halt machen. So blieb eben nur, alles auf den Optimisten zu laden und es rüber zu ziehen. Nicht schlecht Frau Specht! Das war jedenfalls Frauenpower.
An Land angekommen verließ ich nach 10 Stunden Optimist ohne zu kotzen, dafür mit Mittelohrentzündung dieses Boot und begrüßte freudestrahlend meine Jungs (also die Band!).
Jetzt kam es zu der Klaus Kinski Szene. Den Film „Cobra Verde“ kennt vielleicht nicht jeder, aber der brachte uns auf die Idee mit dem Bootskampf. Ich wollte aufpassen, dass mir kein Wasser in die Ohren kam, da mich der Doc ja davor warnte. Immerhin bin ich Musiker und brauche meine Ohren unbedingt!! Und Kamera los! Ich legte mich bis zur Erschöpfung ins Zeug. Kinski hatte weit aus länger durchgehalten. Das lag in seiner Natur. Ich hätte gerne noch mehr gegeben, wollte aber auf mein schmerzhaftes Ohr aufpassen. Dann gab ich aber doch etwas Gas,bis ich mich fallen ließ. Ich dachte nicht mehr ans Ohr. Die Welle kam, wie ihr sehen werdet, haute mir Nase und Ohren voll Wasser und ich schreckte auf. Wir haben die Szene drin gelassen.
Als letztes kam die Bandperformance am Strand. Wir drehten den Sound auf und los gings. Geiles Lied dachte ich nur und freute mich schon wieder auf die nächsten Konzerte mit den ganzen Typen neben mir. Aber erst mal 2 Wochen Urlaub........Urlaub ???? Wie geht das den? Das ist lange her ... Ach davon später vielleicht.
Viel spaß mit dem Video, der Pohlinski

 

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